Sneak Peek soziale Entwicklung

Kleine Egozentriker oder fairplayer? Die soziale Entwicklung von Babys und Kleinkindern

Nein, besonders rücksichtsvoll ist ein Baby oder Kleinkind nicht unbedingt. Es interessiert sich nicht dafür, ob es Mama die zehnte Nacht (oder den zehnten Monat) in Folge alle zwei Stunden weckt oder ob Papa der Rücken plagt und er gerade wirklich keine Lust auf Huckepack hat. Gerade im ersten Lebensjahr stehen Eltern vor der Aufgabe, unverzüglich und angemessen auf die Bedürfnisse ihres Nachwuchses zu reagieren. Und auch wenn das Kind älter wird – warten und Rücksichtnahme ist meist noch keine Stärke von unter Dreijährigen.

Diese Dinge haben Kindern den Ruf eingebracht, ganz schön egoistische kleine Wesen zu sein, für die vor allem eines zählt: „Ich!“ Doch ein Blick in die Forschung zur sozialen Entwicklung von Babys und Kleinkindern zeigt, dass das viel zu kurz gegriffen ist.
Von Geburt an sind Menschenkinder hochsoziale Wesen, die ihre Leute ganz genau beobachten, ihre Spielregeln im Umgang miteinander erfassen und darauf basierend soziale Erwartungen aufbauen: So können bereits acht bis neun Monate alte Babys Annahmen darüber treffen, ob ihnen vorab unbekannte Menschen zusammengehören, Teil einer gemeinsamen Gruppe sind – sie stützen sich dabei auf Hinweise wie eine gemeinsam gesprochene Sprache oder gemeinsamer Geschmack. Aus der Sicht eines Babys sind zum Beispiel Käseliebhaber auch im sonstigen Leben gute Freunde – aber ein Käse- und ein Wurstfan eher nicht.

Klingt vielleicht ein bisschen simpel, denn natürlich suchen wir uns unsere Freunde nicht nach ihren kulinarischen Vorlieben aus, andererseits: Ein im wörtlichen Sinn eingefleischter Steakesser und eine strikte Veganerin werden wohl auch im wahren Leben nur schwer glücklich miteinander.

„Wir“ und „die“ – was im ersten Moment vielleicht nicht besonders nett klingt, ist für unser soziales Zusammenleben eine ganz wesentliche Voraussetzung, weil wir alle Mitglieder verschiedener Gruppen (unsere Familie, der Sportverein, die Clique, Elternschaft einer bestimmten Kita oder Schule) und diese auch ein wesentlicher Bestandteil unserer eigenen Identität sind. Außerdem schließt dies ja nicht aus, dass wir auch zu anderen Menschen nett, sogar uneigennützig sind – die Rede ist vom sogenannten prosozialen Verhalten, wie Psychologen es nennen.

Einen solchen Sinn für Fairness und Moral haben Forscher in neuen Studien bereits bei 18 Monaten alten Kindern festgestellt – und die Ergebnisse sprechen deutlich gegen die Annahme des egoistischen, trotzigen Kleinkinds, das immer alles nur für sich haben will. Im Gegenteil: Ein Großteil der Kinder zwischen anderthalb und zwei Jahren teilt freiwillig und ohne Aufforderung mit Gleichaltrigen – einfach nur, damit der andere nicht leer ausgeht.

Eine weitere Untersuchung zeigt: Dem anderen etwas abgeben – diese soziale Norm des Teilens ist bereits bei sieben Monaten alten Babys nachweisbar. Besonders spannend: Es gibt hier große individuelle Unterschiede. Manche Babys sind altruistischer und empathischer als andere und diese Ausprägung hängt wiederum mit den Persönlichkeitseigenschaften der Eltern zusammen – kurz gesagt: Empathische Eltern haben empathische Kinder.

Alles genetisch? Einen Einfluss haben die Gene bestimmt – aber wieviel, das müssen zukünftige Untersuchungen noch klären. Die Studien zeigen aber auch: Wenn wir ihnen vernünftiges Sozialverhalten vorleben und ihnen einen Sinn für Fairness und Moral vermitteln, hat das einen großen Einfluss auf die soziale Entwicklung unserer Kinder.

Es geht weiter

In den letzten Wochen bin ich öfter gefragt worden: Wie weit bist du denn eigentlich mit deinem Buch? Hier, auf dem Blog, hat sich auch tatsächlich länger nichts getan – aber hinter den Kulissen geht es weiter.

Da ich als freie Journalistin mit festen Aufträgen meine Brötchen verdiene, im Januar einige Textabgaben anstanden und im November und Dezember eine Familienangelegenheit meine Kräfte forderte, mussten sich die „Babys“ in den letzten Wochen hinten anstellen.

Aber es gibt gute Nachrichten: Etwa drei Viertel des Buches sind bereits geschrieben! In den nächsten Tagen sollen weitere Previews auf dem Blog folgen. Parallel arbeite ich an den restlichen Kapiteln. Bis es aber richtig fertig ist, dauert es dann leider noch ein wenig: Denn das Buch soll auf jeden Fall ein professionelles Lektorat erhalten und ein vernünftiges Cover brauche ich auch noch.

Also, durchatmen, weitermachen und ein Schritt nach dem anderen…

Sneak Peek Sprachentwicklung

Das Gehirn von Babys will sprechen lernen – und die Sprache der Mutter spielt dabei eine besondere Rolle

Unser Gehirn ist von Geburt an darauf ausgelegt, sprechen zu lernen. Und eigentlich geht die Sprachentwicklung sogar noch früher los – bereits im Mutterleib. Das zeigen Untersuchungen, bei denen Forscher das Schreien von Neugeborenen unter die Lupe genommen haben: Deutsche Babys schreien anders als französische – und je komplexer die Sprache ist, umso variantenreicher ist auch das Schreien der Babys.

Die Stimme der Mutter – die im wortwörtlichen Sinne Muttersprache – hat eine besondere Bedeutung für die Sprachentwicklung, das zeigt auch die Hirnforschung: So werden beim Klang der mütterlichen Stimme im Gehirn von Kindern auch Zentren aktiviert, die mit Emotionen assoziiert sind.

Andere Untersuchungen belegen, dass das Gehirn von Kindern besonders sensibel für Sprachinformationen ist – und Babys und kleine Kinder regelrechte Experten darin sind, Wörter und Grammatikregeln zu verarbeiten, und zwar wesentlich besser als Erwachsene.

In welchem Zusammenhang steht Sozialkompetenz und der Klang der mütterlichen Stimme? Lässt sich die Muttersprache auch noch Jahre später nachweisen, selbst wenn sie nicht mehr aktiv genutzt wird – wie bei adoptierten Babys aus anderen Ländern? Warum können Kinder besser Sprachen lernen als Erwachsene? Und was können Eltern tun, um die Sprachentwicklung ihres Kindes zu unterstützen? Das und noch mehr – demnächst in Wunderbar schlaue Babys.

Wissen für Eltern: So kam ich zu der Idee, ein E-Book zu schreiben

Ein eigenes Buch zu schreiben, in dem man sich zu seinem Lieblingsthema mal so richtig auslassen kann, davon träumt wohl jeder Journalist, jede Journalistin. Mir geht es da nicht anders. Als Wissenschaftsjournalistin stoße ich immer wieder auf spannende Studien und Erkenntnisse. Nicht alle lassen sich in Artikel für Zeitschriften ummünzen, manchmal passt die Leserschaft nicht zum Thema, manchmal haben die Redaktionen aus anderen Gründen kein Interesse und manchmal habe ich gar nicht die Zeit, aus allen Erkenntnissen ein Thema zu basteln und zu akquirieren.

Es gibt aber auch Fälle, da schreibe ich über einen interessanten Zusammenhang, der Artikel wird länger und länger (und im Geiste höre ich schon die zuständige Redakteurin über mich fluchen), sodass das Kürzen hinterher fast genausoviel Zeit in Anspruch nimmt, wie das Schreiben selbst.

Beide Umstände führen dazu, dass meine Liste im Kopf „Daraus könnte man eigentlich mal ein Buch machen“ länger und länger wird.

Warum nun ein E-Book zum Thema Babys und sogar eine ganze Reihe zum Thema Wissen für Eltern? Seitdem ich meinen kleinen Sohn habe, bin ich sozusagen Feuer und Flamme für die Entwicklungspsychologie und horte in meinem Browser Lesezeichen zum Thema Baby- und Kleinkindforschung. Ich habe soviel Material, dass ich fünf Bücher daraus machen könnte.

Auf das Medium E-Book bin ich durch einen Artikel über den Journalisten, Buchautor und Betreiber des Blogs www.selfpublisherbibel.de, Matthias Matting, gestoßen: Er empfiehlt gerade Journalisten, die sich in ihren Spezialthemen schon gut auskennen, besser heute als morgen mit dem Schreiben eines E-Books im Selbstverlag loszulegen.

Da ich weiß, dass die Buchverlagsmühlen eher langsam mahlen und es mitunter recht mühsam sein kann, sein Thema so unterzubringen (wenn überhaupt Interesse besteht), möchte ich den Weg E-Book mit meiner Elternreihe gerne ausprobieren, denn die Vorteile liegen auf der Hand: Schneller, unabhängiger und und ungebunden an Verlagsvorgaben kann ich nirgendwo sonst veröffentlichen!